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Verhalten

Warum zerkaut mein Hund alles? Ein Ratgeber nach Alter, plus sichere und riskante Kauartikel

Kauen ist in jedem Alter normal, nur die Gründe ändern sich. Was bei Welpen, Junghunden und erwachsenen Hunden dahintersteckt, was wirklich hilft und welche Kauartikel einen Zahn brechen können.

Ein flauschiger hellbrauner Welpe sitzt neben einem Autoreifen und hat einen dünnen Zweig im Maul
Foto: WordPress Photo Directory (CC0)

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Wenn dein Tier krank wirkt oder du dir Sorgen machst, ruf deine Tierarztpraxis an.

Zerkaute Schuhe, angenagte Stuhlbeine, ein Sofakissen, das plötzlich sein Innenleben zeigt. Wenn du mit einem Hund lebst, der alles zerkaut, kann sich das persönlich anfühlen. Ist es aber nicht. Kauen ist in jedem Alter ein normales, gesundes Hundeverhalten.

Das Ziel ist nicht, deinem Hund das Kauen abzugewöhnen. Es geht darum zu verstehen, warum er gerade kaut, und dieses Bedürfnis dann auf etwas Sicheres umzulenken.

Warum Hunde kauen

Hunde erkunden die Welt mit dem Maul, so wie Kleinkinder mit den Händen. Kauen hat außerdem noch andere Vorteile:

  • Es lindert bei Welpen die Beschwerden beim Zahnwechsel
  • Es baut körperliche und geistige Energie ab
  • Es hilft vielen Hunden, sich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen
  • Es hält die Kiefer kräftig und schabt etwas Belag von den Zähnen
  • Es fühlt sich einfach gut an

Probleme entstehen, wenn das Bedürfnis größer ist als die guten Möglichkeiten, es auszuleben. Die Gründe verschieben sich, während dein Hund älter wird, deshalb lohnt sich ein Blick nach Alter.

Kauen nach Alter

Welpen (etwa 8 Wochen bis 6 Monate)

Welpen haben 28 Milchzähne, die etwa zwischen dem 3. und 6. Monat ausfallen, während 42 bleibende Zähne nachwachsen. In dieser Zeit kann das Zahnfleisch wund sein, und Kauen bringt Erleichterung. Welpen lernen außerdem gerade, was essbar ist, was Spaß macht und was tabu ist, und das lernen sie nur mit dem Maul.

Was hilft: Mach die Wohnung welpensicher, nutze Türgitter oder einen Laufstall, wenn du nicht hinschauen kannst, und biete verschiedene Materialien an. Viele Welpen mögen etwas Kaltes auf dem wunden Zahnfleisch, etwa ein gekühltes Gummispielzeug oder einen feuchten, eingefrorenen Waschlappen (nur unter Aufsicht, und weg damit, sobald er reißt).

Junghunde (etwa 6 bis 18 Monate)

Das ist oft die zerstörerischste Phase. Die bleibenden Zähne sind da, die Kiefer sind kräftiger, und Junghunde haben viel Energie, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und die Angewohnheit, Grenzen auszutesten. Viele Halterinnen und Halter erleben eine zweite Kauwelle, wenn der Zahnwechsel eigentlich schon vorbei scheint.

Was hilft: mehr strukturierte Beschäftigung, nicht einfach nur längere Spaziergänge. Schnüffelspiele, kurze Trainingseinheiten und Futterpuzzles lasten den Kopf aus. Behalte das Management etwas länger bei, als du für nötig hältst.

Erwachsene Hunde

Erwachsene Hunde, die zerstörerisch kauen, wollen dir meistens etwas sagen. Häufige Gründe:

  • Langeweile oder zu wenig Auslastung, besonders bei Arbeits- und Jagdhunderassen
  • Zu wenig Bewegung für Alter und Rasse
  • Stress oder Veränderungen, etwa ein Umzug, ein Baby oder ein neuer Tagesablauf
  • Stress beim Alleinbleiben, der sich in angekauten Türen und Fensterrahmen zeigen kann
  • Hunger, wenn der Hund auf strenger Diät ist
  • Schmerzen, auch Zahnschmerzen

Fängt ein älterer Hund plötzlich mit dem Kauen an, lohnt sich ein Besuch in der Tierarztpraxis. Neue Gewohnheiten bei Senioren können mit Zahnproblemen, Beschwerden oder altersbedingten Veränderungen zusammenhängen.

Was du gegen zerstörerisches Kauen tun kannst

  1. Organisiere den Raum. Räum Schuhe, Kabel, Kinderspielzeug und Fernbedienungen weg. Nutze Türgitter, einen Laufstall oder eine Hundebox, in der sich dein Hund wohlfühlt, wenn du ihn nicht beaufsichtigen kannst. Jeder zerkaute Schuh ist Übung.
  2. Biete bessere Alternativen. Halte zwei oder drei passende Kauartikel bereit und wechsle sie alle paar Tage durch, damit sie spannend bleiben.
  3. Tauschen statt jagen. Schnappt sich dein Hund etwas, das er nicht haben soll, biete ihm ein Leckerli oder ein Spielzeug im Tausch an. Hinterherrennen macht daraus ein Spiel.
  4. Lenk ruhig um. Erwisch ihn auf frischer Tat, unterbrich ihn mit einem fröhlichen Geräusch und gib ihm etwas Erlaubtes. Lob ihn, wenn er darauf kaut.
  5. Erfülle das eigentliche Bedürfnis. Plane Schnüffelspaziergänge, Futterpuzzles und Training ein. Ein müder Kopf kaut weniger.
  6. Nutze Bitterstoffe nur als Ergänzung. Bittersprays können Möbelbeine schützen, bringen aber allein nichts bei.
  7. Verzichte auf Strafen. Schimpfen im Nachhinein bringt der Hund nicht mit dem Kauen in Verbindung und kann ihn heimlicher oder ängstlicher machen.

Sichere und riskante Kauartikel

Kein Kauartikel ist völlig risikofrei, deshalb solltest du bei allem Neuen dabeibleiben. Als grobe Orientierung:

Meist sicherere Wahl Riskantere Wahl
Feste Gummispielzeuge, die etwas nachgeben, passend zur Größe deines Hundes Gekochte Knochen jeder Art (sie splittern)
Gummispielzeuge, gefüllt mit weichem Futter, pur oder eingefroren Geweihe, Hufe und sehr harte Knochen
Schleckmatten mit einer dünnen Schicht weichem Futter Sehr harte Kauartikel aus Nylon oder Kunststoff
Essbare Zahnpflegesnacks, passend zum Gewicht deines Hundes Rinderhaut, wenn dein Hund große Stücke abschluckt
Futterpuzzles und Spielzeuge, die Leckerlis freigeben Stöcke, Steine und kleine Bälle

Das Problem mit abgebrochenen Zähnen

Sehr harte Kauartikel gehören zu den häufigsten Ursachen für abgebrochene Zähne bei Hunden. Der große obere Backenzahn hinten im Maul (der vierte obere Prämolar, auch Reißzahn genannt) ist besonders anfällig für sogenannte Slab-Frakturen, bei denen ein Stück der äußeren Zahnfläche abschert. Solche Brüche tun weh, können den Nerv freilegen und machen oft eine Extraktion oder Wurzelbehandlung nötig.

Mach den Fingernageltest: Wenn du mit dem Fingernagel keine kleine Delle in einen Kauartikel drücken kannst, ist er wahrscheinlich zu hart. Das Gleiche gilt für alles, was wehtun würde, wenn du damit auf deine Kniescheibe klopfst.

Größe und Zustand zählen

  • Wähle Kauartikel, die zu groß sind, um ganz ins Maul deines Hundes zu passen oder am Stück verschluckt zu werden.
  • Wirf Kauartikel weg, die so klein abgenagt sind, dass sie verschluckt werden könnten.
  • Ersetze Gummispielzeuge, die rissig sind oder denen Stücke fehlen.
  • Bleib bei jedem essbaren Kauartikel dabei und nimm ihn weg, wenn er klein wird.

Wann du zum Tierarzt solltest

Vereinbare einen Termin in der Tierarztpraxis, wenn dir Folgendes auffällt:

  • Ein abgebrochener, angeschlagener oder verfärbter Zahn oder Blutungen im Maul
  • Sabbern, Pfoteln am Maul, Kauen nur auf einer Seite oder Futter, das aus dem Maul fällt
  • Mundgeruch, der neu ist oder schlimmer wird
  • Plötzliches Kauen bei einem erwachsenen oder älteren Hund
  • Fressen von Dingen, die kein Futter sind, etwa Steine, Socken oder Stoff (das nennt sich Pica und kann medizinische Ursachen haben)

Fahr sofort in die Tierarztpraxis oder Tierklinik, wenn du glaubst, dass dein Hund etwas verschluckt hat, das er nicht hätte fressen sollen, vor allem bei Erbrechen, Appetitlosigkeit, einem schmerzhaften Bauch, Pressen beim Kotabsatz oder Mattigkeit.

Wann du Hilfe beim Verhalten holen solltest

Hol dir Unterstützung von einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit Schwerpunkt Verhaltensmedizin oder einer zertifizierten Verhaltensberatung, wenn:

  • Dein Hund vor allem dann kaut, wenn er allein ist, besonders an Türen und Fenstern
  • Dein Hund sich verletzt, etwa durch eingerissene Krallen oder verletztes Zahnfleisch vom Ankauen der Box oder von Türen
  • Das Kauen mit anderen Anzeichen von Stress einhergeht, etwa Heulen, Unsauberkeit in der Wohnung oder Hecheln, wenn du gehst
  • Dein Hund Kauartikel verteidigt und knurrt oder schnappt, wenn du näher kommst

Das sind Hinweise darauf, dass es beim Kauen eher um Stress als um Langeweile geht, und darauf spricht ein individueller Plan am besten an.

Das Fazit

Dein Hund kaut nicht, um dich zu ärgern. Er erfüllt ein echtes Bedürfnis, und die richtige Mischung aus Management, sicheren Kauartikeln und täglicher Kopfarbeit bekommt das Ganze meist in den Griff. Wähle Kauartikel, die etwas nachgeben, kauf sie lieber eine Nummer größer, sortiere sie aus, wenn sie abgenutzt sind, und sprich mit deiner Tierarztpraxis über alles, was nach Schmerzen oder einem abgebrochenen Zahn aussieht.

Häufige Fragen

  • Die meisten Welpen verlieren ihre Milchzähne etwa zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat, und mit rund 6 bis 7 Monaten sind meist alle bleibenden Zähne da. Viele kauen danach noch monatelang kräftig weiter, rechne also mit einem kauintensiven ersten Jahr.

  • Nein. Gekochte Knochen können in scharfe Stücke splittern, die Maul, Rachen oder Darm verletzen, und sie können Verstopfungen und Darmverschlüsse verursachen. Bewahre sie außer Reichweite auf, auch im Mülleimer.

  • Eine gängige Faustregel aus der Tiermedizin: Wenn du keinen Fingernagel hineindrücken kannst oder es wehtun würde, wenn du damit gegen dein Knie klopfst, ist er hart genug, um einen Zahn abbrechen zu lassen.

  • Nein. Eine Strafe im Nachhinein bringt einem Hund nicht bei, was er kauen darf, und kann dazu führen, dass er heimlich kaut. Tausche den Gegenstand ruhig gegen etwas Erlaubtes und richte den Raum so ein, dass es nicht wieder passiert.